Andacht aus dem Gemeindebrief Dezember 2011 bis Februar 2012
An(ge)dacht
Jesus Christus spricht:
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
2. Korinther 12,9
Liebe Gemeinde,
wieder ist ein Kirchenjahr zu Ende gegangen und wir beginnen das neue mit dem Advent.
Wie gemischt sind da für viele Menschen die Gefühle?! Die einen stehen noch ganz unter dem Eindruck der vergangenen Ereignisse, der vielleicht lebensverändernden Umstände auch, die dieses Jahr mit sich brachte:
… des Abschiedes von einem Menschen und der Trauer um ihn z.B.; der Freude vielleicht, weil zwei Menschen sich das JA-Wort für’s Leben gaben oder ein Kind geboren wurde und der Alltag sich dadurch gravierend verändert hat, z.B.; der Unsicherheit vielleicht, die der Eintritt in die Rente oder der Verlust des Arbeitsplatzes mit sich brachte, z.B.; und nicht wenigen unter uns verursacht die Wirt-schaftskrise massive Zukunftsängste.
Und so bleibt es nicht aus, dass die dunkle Jahreszeit für die einen eine Zeit ist, die bei Kerzenschein Gemütlichkeit ausstrahlt. Für die anderen aber wirkt sie eher bedrückend und deprimierend, schlägt ihnen aufs Gemüt, macht noch trauriger und antriebsloser, lässt Einsamkeit deutlicher zutage treten. Da spiegelt sich die äußere Dunkelheit in der eigenen Seele wieder.Woher können wir dann die Kraft nehmen, dies zu ertragen? Woher die Hoffnung, dass auch diese Lebensdunkelheit wieder zum Guten gewendet wird? Wie können wir den bevorstehenden Advent und das Warten auf Jesu Ankunft erleben? Und wie auf Weihnachten, das Fest der Freude, erwartungsvoll zugehen? Aus welcher Kraft vermögen wir das neue Jahr anzupacken?
Die Jahreslosung 2012 kann uns schon zum Beginn dieses Kirchenjahres vorzeitig dazu den Weg weisen: dass Jesu Kraft in denen mächtig ist, die schwach sind!
Das ist eine Botschaft, die so gar nicht in unsere ach so moderne Zeit zu passen scheint. Regieren doch in dieser Welt die Starken, die Reichen, die Gebildeten und Mächtigen, die mit den guten Bezie-hungen nach allen möglichen Seiten. Sie dürfen ja auch keine Schwächen zeigen, sonst sind sie in ihren Führungspositionen nicht brauchbar! Woher aber nehmen sie ihre Leistungskraft?
Schwach sein dürfen nur Kinder, schwangere Frauen, ausgegrenzte, kranke und/oder alte Menschen. Woher beziehen sie die Kraft, die sie brauchen, um solche Lebensumstände zu ertragen?
Wenn Jesus Christus spricht: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ dann ist nicht ein Versprechen an den Apostel Paulus. „Meine Kraft könnte in Dir mächtig werden, wenn …“. Sondern sie steht da als feste Zusage: Meine Kraft ist mächtig in Dir, der Du schwach bist!
Und sie ist es nicht nur in Paulus, der durch eine chronische Krank-heit schwer gezeichnet war und zugleich von den Herrschenden seiner Zeit und den Gegnern seiner Verkündigung zusätzlich ange-fochten wurde.
Sondern sie ist es in jedem von uns, die wir unsere Grenzen mensch-licher Möglichkeiten und Machbarkeiten erkennen und Gott ver-trauensvoll hinhalten: >Mach du damit, was dir gefällt!<
Da mögen wir dann erleben, dass wir mitten in aller Trauer dennoch zu schmunzeln oder gar herzhaft zu lachen wagen. Oder dass uns mitten in alle Zukunftsängste und –sorgen hinein etwas zum Lichtblick wird. Bekanntlich kommt es ja erstens anders als man zweitens denkt, zum Negativen, aber eben auch zum Guten.
Da mögen wir mitten in aller Kraftlosigkeit und Unsicherheit etwas davon spüren, dass wir aber dennoch bewahrt bleiben und geführt werden. Und ganz plötzlich tut sich ein Fenster oder eine neue Tür auf, durch die wir gehen können. Mehr noch: Jesu Kraft in unserer Schwacheit bewirkt, dass wir et-was zu geben und zu verschenken haben an andere Menschen.
Dass aber SEINE Kraft in den Schwachen mächtig ist, kann nicht theoretisch erkannt und begriffen, sondern nur praktisch >er-lebt< und manchmal auch >erlitten< werden.
Lassen wir uns zu diesem Weg von Jochen Kleppers schönen Adventsliedstrophen (eg 16) ermutigen, wenn wir singen oder beten:
„Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf;
ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah.
Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und –schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte hält euch kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“
In diesem Sinne grüße ich Sie sehr herzlich in diese Advents- und Weihnachtszeit und zum Jahr 2012, auch im Namen von Elke Bosch sowie den Pfarrern Pietschmann und Berger,
Christiane Nolte